Zahnpflege - Mehr als nur Zähneputzen

Ich kann es nicht leugnen: Ich bin ein Zahn-"Fetischist". Menschen mit strahlenden, gepflegten Zähnen schaffen es, mich ziemlich schnell in ihren Bann zu ziehen. Die Verfassung der Zähne meines Gegenübers beeinflusst unter anderem meinen ersten Eindruck. Und weil dieses Thema für mich besondere Wichtigkeit hat, möchte ich euch mit diesem kleinen Post etwas in meine (heilige) Zahnpflege-Routine einweihen.

 

Wie pflegst du eigentlich deine Zähne? Putzt du sie zweimal täglich? Möglicherweise sogar nach jeder Mahlzeit?

 

Viele Menschen leiden trotz regelmäßigen Zähneputzens unter entzündetem Zahnfleisch oder Karies. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Jeder Zahn hat fünf Seiten, von denen aber nur drei mit einer Zahnbürste erreicht werden: Die Vorder- und Rückseite sowie die Schneide- bzw. Kaufläche. Die übrigen zwei Seiten des Zahns, die Zahnzwischenräume, erreicht die Zahnbürste nicht, weshalb es ein Muss ist, diese zusätzlich zu reinigen, um Zahnfleischentzündungen, Zahnstein, Plaque (Zahnbelag, Ursache für Karies) und Verfärbungen vorzubeugen und zu entfernen. Auch die Zunge darf nicht vergessen werden, da sie durch ihre raue Oberfläche den optimalen Nährboden für Bakterien bildet, die wiederum Mundgeruch und Entzündungen verursachen können und der allgemeinen Mundhygiene schaden. Am besten lässt sich Zungenbelag mithilfe eines Zungenreinigers entfernen. Regelmäßigkeit ist hierbei besonders wichtig.

Wer sich an die richtige Putzmethode hält (Fegebewegung von „rot“ nach „weiß“, also vom Zahnfleisch zum Zahn), bei dem genügt zweimal Zähneputzen pro Tag, optimalerweise 3-4 Minuten. Zur Überprüfung der richtigen Putztechnik werden in vielen Apotheken Kautabletten verkauft, die den Bakterienfilm auf den Zähnen einfärben und somit sichtbar machen. Putzt man bereits regelmäßig und gründlich genug, bleiben die Zähne weiß. So sollte es sein. Färben sie sich, weiß man, an welchen Stellen in Zukunft besser geputzt werden sollte.

 

Oftmals wird einem bereits im Kindergarten beigebracht, sich sofort nach einer Mahlzeit die Zähne zu putzen. Verkehrt ist das auf keinen Fall, jedoch wird Folgendes oftmals außer acht gelassen: Wer sich nach einem säurehaltigen Essen sofort die Zähne putzt, tut ihnen damit nichts Gutes und schadet seinen Zähnen sogar! Der Grund: Die Säure im Essen greift den Zahnschmelz an und macht ihn „weicher". Eine anschließende Putzbewegung würde den Zahnschmelz abreiben. Es ist daher ratsam, nach dem Verzehr säurehaltiger Mahlzeiten 30-60 Minuten zu warten, bevor die Zähne geputzt werden. In dieser Zeit neutralisiert unser Speichel die Säure. Wer frühmorgens keine Zeit hat, eine Stunde zu warten, sollte ein weniger säurehaltiges Frühstück zu sich nehmen oder anschließend mit einer sehr weichen Zahnbürste putzen. Was die meisten nicht wissen: Auch Light-Getränke sind voll von Säure, die den Zahnschmelz angreift!

Nach einer säurearmen Mahlzeit spricht allerdings nichts dagegen, sich unverzüglich die Zähne zu putzen - insbesondere nach stark kariogenen Lebensmitteln, also Lebensmitteln, die die Bildung von Karies begünstigen. Dazu gehören stark zucker- bzw. kohlenhydrathaltige Lebensmittel (Süßigkeiten, Marmelade, Honig, Limonade,...), da sie den „Kariesbakterien“ im Mundraum eine optimale Nahrung bieten und dafür sorgen, dass diese sich stark vermehren können.

 

Die wichtigsten Zeitpunkte für’s Zähneputzen sind nach der letzten Mahlzeit des Tages, in der Regel also vor dem Zubettgehen, und nach dem Konsum stark zuckerhaltiger Lebensmittel.

 


„Essen, trinken, EXTRA-kauen“ – Was ist dran am Werbeversprechen; können Kaugummis wirklich die Zähne pflegen?

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Dass ein Kaugummi die tägliche Zahnpflege ersetzt und Zahnbelag entfernen kann, ist ausgeschlossen. Als Ergänzung zur täglichen Zahnpflege taugt es aber dennoch! Zuckerfreie Kaugummis können tatsächlich Karies vorbeugen und Säuren neutralisieren.

Durch das Kauen eines zuckerfreien Kaugummis wird hauptsächlich der Speichelfluss angeregt. Dadurch können Nahrungsreste und somit auch Bakterien, die Karies begünstigen würden, aus dem Mundraum geschwemmt werden.

Ungefähr fünf bis zehn Minuten nach dem Essen entsteht in Mundraum ein saurer pH-Wert, wodurch der Zahnschmelz angegriffen wird. Der zusätzlich produzierte Speichel durch das Kauen eines Kaugummis sorgt nun dafür, dass der pH-Wert wieder neutralisiert und der Zahnschmelz weniger stark angegriffen wird.

 

Fazit: Um auch im hohen Alter noch gesunde Zähne zu haben, ist es ratsam, mindestens zweimal pro Tag intensive Zahnpflege zu betreiben. Dazu gehört vor dem 3-4-minütigen Putzen mit der richtigen Technik auch die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnzwischenraumbürstchen (optimal für die Backenzähne) und Zahnseide (optimal für die Schneidezähne). Zusätzlich ist es empfehlenswert, nach jeder Mahlzeit (Säure beachten!) zur Zahnbürste zu greifen, auf jeden Fall aber nach dem Konsum stark kariogener Lebensmittel. Zahnpflege-Kaugummis sind eine sinnvolle Ergänzung, allerdings ersetzen sie das Zähneputzen nicht!


Meine Tipps:

 

> Interdentalbürstchen für die Backenzahnzwischenräume und Zahnseide für die Schneidezahnzwischenräume! Die kleinen (Draht-) Bürstchen sind der Zahnseide weit überlegen, wenn es um die Reinigung der Zahnzwischenräume im Backenbereich geht. Es gibt sie in allen Größen, sodass sie selbst in die kleinsten Zahnlücken passen und direkt am Zahnfleisch reinigen. Du kannst sie zur Desinfektion vor der Zahnreinigung zusätzlich in Listerine tauchen. Und keine Angst, wenn es bei den ersten Malen leicht bluten sollte; der Grund dafür sind bakterielle Zahnbeläge in Zahnfleischnähe, die eine Entzündung verursacht haben.

 

> Spüle die Zahnbürste nach jedem Zähneputzen gründlich unter warmem Wasser ab.

 

> Lagere die Zahnbürste aufrecht mit dem Kopf nach oben, damit die Borsten optimal trocknen können. Eine nasse Zahnbürste sollte möglichst nicht in einem geschlossenen Gefäß, Etui oder Badezimmerschrank aufbewahrt werden, da ansonsten die Bildung von Keimen forciert wird und Schimmel entstehen kann.

 

> Nach dem Konsum von säurehaltigen Lebensmitteln wie Obst oder Säften sollte der Mund kräftig mit Wasser ausgespült werden. Unterwegs kann ein zuckerfreies Kaugummi ebenso zur Neutralisierung der Säure dienen.

 

> Stark zucker- und säurehaltige Lebensmittel sollten nicht über den Tag verteilt konsumiert werden, sondern im besten Fall einmalig.

 

> Elektrische Zahnbürsten reinigen weitaus gründlicher als Handzahnbürsten und verzeihen teilweise Fehler bei der Putztechnik.

 

> Der Bürstenkopf sollte alle 4-8 Wochen ausgewechselt werden.

 

> Naturborsten eignen sich weniger als Kunststoffborsten, da sich in Naturborsten aufgrund ihrer Struktur die Bakterien besser ansammeln.

 

> Um Verletzungen des Zahnfleisches zu verhindern, eignen sich mittelharte Kunststoffborsten. Weiche Bürsten sind zwar sanfter, aber erhöhen auch die Gefahr, dass hartnäckige Bakterien trotz des Putzens (gerade am Zahnfleischrand) im Mundraum zurückbleiben und Entzündungen verursachen.

 

> Eine „Kurzkopfbürste“ erreicht die hinteren Backenzähne besser als eine sehr große Bürste.

 

> Mundwasser (z.B. Listerine) unterstützt die Mundhygiene und tötet Bakterien im gesamten Mundraum ab. Gurgeln gehört für mich ganz klar zur täglichen Zahnpflegeroutine.

 

> Ich gehe zweimal jährlich zur professionellen Zahnreinigung. Einige Krankenkassen wie zum Beispiel die AOK übernehmen sogar 80 Prozent der Kosten.  

Kommentare: 10 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Rahel (Dienstag, 14 Juni 2016 18:15)

    Vielen Dank für diesen wirklich interessanten Blogpost!! Es macht mir echt Spaß deine Beiträge zu lesen, da man merkt, das hierbei nicht nur irgendetwas "heruntergeleiert" wird, sondern das Ganze in einer guten Schreibweise vermittelt wird. Dadurch bleibt die Aufmerksamkeit meinerseits bestehen.

  • #2

    Finja Lohr (Dienstag, 14 Juni 2016 18:49)

    Hallo liebe Lea. Dank für den ausführlichen Post. :) Putzt du mit einer Handzahnbürste oder mit einer elektrischen? Danke schon mal für deine Antwort.

  • #3

    Lea Alexa (Dienstag, 14 Juni 2016 18:53)

    hallo liebe finja,
    danke für dein feedback. ♥ ich putze mit der oral-B 7000 smartseries.

  • #4

    Rebekka (Dienstag, 14 Juni 2016 19:07)

    Liebe Lea,

    ein sehr umfangreicher und gut strukturierter Beitrag zu einem Thema, das oft im Bereich Schönheit/Körperpflege vernachlässigt wird. Danke dafür :) Ich hätte nur noch eine Frage/Ergänzung im Bereich Zahnpasta: Kannst du eine bestimmte Sorte empfehlen? Außerdem hört man immer mehr, dass bei "Weißmacher" Wundermitteln aus der Drogerie Vorsicht geboten sein sollte, da diese oftmals starke Schleifkörper enthalten, die auf Dauer Zahnfleisch und -schmelz angreifen und empfindlich machen können. Hast du eine Meinung dazu?

    Viele Grüße!

  • #5

    Marie (Mittwoch, 15 Juni 2016 01:09)

    Hallo Lea,
    sehr informativer Artikel! Ich habe allerdings noch eine Frage. Ist es besser Zahnseide und Interdentalbürstchen vor oder nach dem eigentlichen Zähneputzen zu verwenden? Oder ist das egal? Wenn ich sie danach verwende habe ich immer das Gefühl die Bakterien aus den Zahnzwischenräumen hätten den gerade gereinigten Mundraum erneut "dreckig" gemacht.
    Liebe Grüße

  • #6

    Jules (Mittwoch, 15 Juni 2016 14:27)

    Danke für den informativen Post. Du hast einen tollen Schreibstil, liebe Lea! :)
    Ich hätte allerdings noch eine Frage. Was würdest du tuen, wenn du ein wenig gelbliche Zähne hast, du aber jetzt sehr auf deine Zahnhygiene achtest? Weißer werden sie dadurch ja auch nicht wieder... Und was hältst du von diesen Aufhellungs Stripes?
    Vielen Dank schonmal ❤️

  • #7

    Fabienne (Mittwoch, 15 Juni 2016 14:53)

    Wow! Mithilfe deiner Tipps werde ich meine Zahnpflegeroutine auf jeden Fall verbessern :) ich finde es wirklich toll,dass du deine Kenntnisse mit anderen teilst

  • #8

    Luise (Donnerstag, 16 Juni 2016 15:36)

    Hey Lea,
    ich muss sagen, dass ich sehr beeindruckt bin, wie sehr du dich mit der Thematik auseinandergesetzt hast. Eine kleine Empfehlung aus eigener Erfahrung habe ich noch: Reinigt man die Zahnzwischenräume, bevor man sich die Zähne normal mit Bürste und Zahnpasta putzt, so kann auch hierhin Zahnpasta gelangen, die sonst an Essensresten und Belägen nicht vorbeigekommen wäre. In der Reihenfolge ist es sogar noch hilfreicher, denke ich! :)

  • #9

    Lea Alexa (Montag, 20 Juni 2016)

    hallo liebe marie,

    die mama meines freundes ist zahnärztin und empfiehlt, die reinigung der zahnzwischenräume vor dem zähneputzen durchzuführen, damit unter anderem das in der zahnpasta enthaltene fluorid auch dort in den zahnschmelz eindringen kann. ansonsten verbleibt ja auch der aus den zwischenräumen beseitigte plaque im mundraum. nicht so angenehm. :D

    liebe grüße ♥

  • #10

    Lea Alexa (Montag, 20 Juni 2016 11:24)

    hallo jules,

    danke für dein liebes feedback. ♥ jeder von uns hat einen zum teil erblich bedingten zahnton. dass dieser nur auf die zahnpflege zurückzuführen ist, ist natürlich blödsinn. leicht gelbliche zähne können genauso gepflegt sein wie strahlend weiße.

    von diesen stripes halte ich absolut nichts. ich hatte mich mal vor einiger zeit darüber informiert und war über die vorher-nachher-bilder teilweise so geschockt! die zähne wurden total ungleichmäßig aufgehellt und fleckig. das sah ganz schrecklich aus.. also zu hause würde ich das auf keinen fall durchführen. dann doch lieber für ein professionelles bleaching sparen, wenn die zahnverfärbung wirklich so störend ist.

    ganz liebe grüße!